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„Wir haben doch eine Website.“ – Diesen Satz höre ich oft. Und ja, technisch stimmt das meistens. Aber eine Website zu haben und eine Website zu haben, die arbeitet, sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Das digitale Schaufenster ist für viele Kunden der erste Kontaktpunkt mit einem Unternehmen. Manchmal der einzige. Wer hier nicht überzeugt, verliert den Auftrag, bevor er überhaupt ein Angebot schreiben konnte.
Viele Websites sind auf dem Stand von 2015
Ich sehe das regelmäßig bei Erstgesprächen: Keine mobile Optimierung, Ladezeiten jenseits der 5 Sekunden, kein SSL-Zertifikat, Kontaktformulare die ins Nirvana laufen, und nirgends ein Hinweis darauf, was der Besucher als nächstes tun soll.
Das Problem ist nicht, dass diese Unternehmen schlechte Arbeit machen. Das Problem ist, dass ihre Website das nicht zeigt.
Was „modern“ tatsächlich meint
Modern heißt nicht: bunte Animationen und ein Video-Hintergrund auf der Startseite. Modern heißt: Ihre Website löst ein konkretes Problem für Ihren Besucher.
Performance
Google verwendet Core Web Vitals als Ranking-Faktor. Wenn Ihre Seite langsam lädt, rutschen Sie in den Suchergebnissen nach unten. Die drei Metriken, auf die es ankommt:
- LCP (Largest Contentful Paint): Das größte sichtbare Element soll in unter 2,5 Sekunden laden.
- INP (Interaction to Next Paint): Die Seite soll auf Eingaben in unter 200 Millisekunden reagieren.
- CLS (Cumulative Layout Shift): Elemente sollen beim Laden nicht herumspringen.
Mein Vorschlag: Öffnen Sie Ihre eigene Website auf dem Handy, während Sie im Zug sitzen. Wenn Sie ungeduldig werden, werden es Ihre Kunden auch.
Testen können Sie das hier kostenlos:
# Google PageSpeed Insights – einfach Ihre URL eingeben:
https://pagespeed.web.dev/
# Oder per Kommandozeile mit Lighthouse:
npx lighthouse https://ihre-domain.de --view
Mobile First
Über 60 % des Web-Traffics kommt von mobilen Geräten. Trotzdem werden die meisten Websites am Desktop designed und dann „irgendwie“ aufs Handy geschoben. Der richtige Weg ist umgekehrt: Erst mobil denken, dann für größere Bildschirme erweitern.
Konkret: Buttons müssen groß genug zum Tippen sein (mindestens 44×44 Pixel), Texte ohne Zoomen lesbar, Navigation mit dem Daumen erreichbar.
Sicherheit und Datenschutz
Seit der DSGVO und dem Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) sind die Anforderungen eigentlich klar. Trotzdem sehe ich regelmäßig Websites ohne gültiges Impressum, ohne Datenschutzerklärung, mit extern geladenen Google Fonts – seit dem LG-München-Urteil ein Abmahnrisiko – und ohne SSL.
Das sind keine Nebensächlichkeiten. Das sind rechtliche Pflichten, deren Missachtung Geld kostet.
Inhalte, die Vertrauen schaffen
Die Technik ist die Grundlage, aber am Ende entscheidet der Inhalt. Jeder Besucher hat drei Fragen im Kopf:
- Was machen Sie? – Klar und in einem Satz.
- Warum sollte ich Ihnen vertrauen? – Referenzen, Qualifikationen, echte Projekte.
- Was soll ich jetzt tun? – Anrufen, Formular ausfüllen, Termin buchen.
Wenn Ihre Website diese drei Fragen nicht innerhalb von 10 Sekunden beantwortet, haben Sie ein Problem – und zwar kein technisches.
Was bringt eine Modernisierung konkret?
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Handwerksbetrieb bekommt seine Aufträge über Mundpropaganda und das Telefonbuch. Nach einem Relaunch mit sauberer Struktur, lokaler SEO und einem Kontaktformular, das tatsächlich funktioniert, kommen plötzlich 5-10 Anfragen pro Monat über die Website rein. Das sind Anfragen, die vorher schlicht nicht existiert haben – weil die Leute gegoogelt, die alte Seite gesehen und weiter gescrollt haben.
Eine gut gebaute Website arbeitet dauerhaft. Ohne Pause, ohne Urlaub.
Wo fängt man an?
Nicht mit einem Komplett-Relaunch. Oft reichen gezielte Maßnahmen.
Was sofort wirkt:
- SSL-Zertifikat aktivieren (bei den meisten Hostern kostenlos)
- Ladezeit prüfen und die größten Bremsen beheben – meistens sind es unkomprimierte Bilder
- Impressum und Datenschutzerklärung aktualisieren
- Einen klaren Call-to-Action auf die Startseite
- Die Seite auf dem eigenen Handy testen. Ehrlich testen.
Mittelfristig:
- Inhalte überarbeiten: Weniger „Wir sind seit 1985 Ihr zuverlässiger Partner“ und mehr „Das können wir für Sie tun“
- Google Business Profil einrichten und pflegen
- Einen Blog starten, der zeigt, dass Sie Ihr Fach verstehen
Fazit
Eine moderne Webpräsenz ist kein Luxus und kein Marketing-Projekt. Es ist Infrastruktur. Wer hier spart, spart an der falschen Stelle.
Wenn Sie unsicher sind, wo Ihre Website steht: Machen Sie den PageSpeed-Test, schauen Sie sich die Seite auf dem Handy an und fragen Sie sich – würden Sie bei sich selbst anfragen?
Falls nicht, sollten wir reden.
Marc Weyhers ist Software Engineer und Gründer von MWP Software Engineering. Er hilft Unternehmen und Selbstständigen dabei, digital sichtbar zu werden und Technik sinnvoll einzusetzen.